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Social Media und die eigene Web-Identität

Social Media und die eigene Web-Identität

Social Media für die eigene Person – ein Artikel von Tobias Schaub und Marco Berndt.

Social Media ist der führende Trend für Kundengewinnung und -Bindung – doch nicht nur für Unternehmen interessant. Auch die eigene Person kann sich bei richtigem Einsatz vielschichtig der Öffentlichkeit präsentieren. Social Media ist Persönlichkeit, Emotion, Authentizität und Selbstdarstellung – wir zeigen Ihnen einen Ansatz der Erfolg versprechen kann.

Tobias Schaub ist angehender Diplom Betriebswirt (BA) und wird sich im Rahmen seiner Diplomarbeit mit dem Phänomen der “Social Media” beschäftigen. Das Interview wird von mir geführt und kommentiert.

Was ist eigentlich Social Media?

Schaub Gute Frage. Es geistern viele unterschiedliche Definitionen sowohl durchs Netz als auch durch die in der Regel recht jungen Fachbücher. Im Grunde kann man all jenes als Social Media verstehen, bei dem man im Internet in Interaktion mit anderen Usern treten kann. Seien dies nun Soziale Netzwerke, Blogs, Foren oder sogar Internetshops. Es fällt schwer, hier eine klare Grenze zu ziehen, weshalb ich gerne diese etwas allgemeiner gefasste Definition verwende.

Berndt Das sehe ich genauso. Social Media ist zurzeit noch ein ganz junger Trend im Web und allgemein. Im Internet sind die Grenzen fließend – da lässt es sich kaum scharf abgrenzen. Viele Ideen vermischen sich, um erweiterte Usability möglich zu machen. Ist Social Media dann nicht Web 2.0!? Ja, es baut auf dessen Idee und Technologie auf. Mit Web 2.0 sind die Barrieren zum Publizieren im Internet erheblich weniger geworden.

Schaub Der Begriff des Web 2.0 wird gelegentlich synonym mit Social Media verwendet; weitaus geläufiger ist allerdings die Definition des Web 2.0, wie du schon angedeutet hast, als technische Grundlage des modernen Webs, also auch der Social Media.

Was wird damit verfolgt?

Schaub In der Regel ist der Hintergedanke der Social Media aus Sicht der User erstmal der Austausch von Informationen, Erfahrungen und nicht zuletzt auch die Selbstdarstellung. Gerade Letzteres gewinnt immer mehr an Bedeutung, da viele Unternehmen diesen Aspekt für sich entdeckt zu haben scheinen und nun versuchen, sich in der Netzkultur zu platzieren.

Berndt Damit behaupte ich, Social Media wäre bereits jetzt eine Art Medium. Über Social Media erreiche ich meine Familie, Freunde, Bekannte – die Unternehmen und ihre Stakeholder. Ich präsentiere mich der breiten Öffentlichkeit und gebe – soweit wie ich möchte – Informationen über mich Preis.

Schaub Damit hast du grundsätzlich Recht, aber der große Unterschied zu den klassischen Medien ist eben die Tatsache, dass der Empfänger der Nachrichten sich entscheiden muss, dem Versender eine Erlaubnis zu geben, mit ihm zu interagieren. Du gibst bei Social Media die Erlaubnis zur Kontaktaufnahme, wie du es bspw. auch bei dem Abonnement eines Newsletters tust oder bei der Registrierung deiner gekauften Produkte. Soll heißen: Wenn ich auf Twitter der “Berndt AG” nicht follow und auch nicht explizit nach der “Berndt AG” auf Twitter suche, erreichen mich deren Nachrichten auch nicht. Das schränkt die Erreichbarkeit einer breiten Masse von Empfängern stark ein und begrenzt diese nicht nur auf die User der jeweiligen Social Media Plattformen, sondern eben noch weiter auf , im Falle von Twitter, die, die der “Berndt AG” followen oder nach ihr suchen. Das ist natürlich nicht wirklich als Problem zu betrachten, sondern sogar als großartige Möglickeit, da du diese Zielgruppe viel exakter ansprechen kannst, und sie richtig aktiviert, ein hohes Potenzial für Word-of-Mouth aufweisen. Wen dieser Grundsatz weiter interessiert, dem empfehle ich das Buch “Permission Marketing” von Seth Godin. Dabei geht es genau um die angesprochene Erlaubnis der Kontaktaufnahme durch den Kunden und welche Implikationen das für Unternehmen mit sich bringt. Dieses Thema ist meiner Meinung nach für das wirkliche Verständnis der Social Media als Medium essenziell, aber sprengt hier sicher etwas den Rahmen.

Wie sieht Social Media zurzeit aus?

Schaub Nehmen wir uns doch mal ein paar der populärsten Social Media Akteure vor. Twitter beispielsweise ist eine der momentan am schnellsten wachsenden Social Media Seiten, die wohl am ehesten mit dem Begriff des Micro-Bloggings umschrieben werden könnte. Hierbei veröffentlichen die User Kurznachrichten mit maximal 140 Zeichen, die von wohlgesonnenen Usern abonniert werden können. Auf diese Weise ermöglicht die Seite das Verfolgen der Nachrichten von Freunden, Bekannten oder mittlerweile auch Unternehmen und Hollywood Stars. Gerade Twitter wird vermehrt auch von Unternehmen genutzt, die allerdings bisher vornehmlich Werbebotschaften in Form von Kurznachrichten veröffentlichen. Die 2006 gegründete Seite Twitter ist ein noch relativ kleiner Sonderling in der Social Media Landschaft, während Seiten wie Youtube (gegründet 2005) bereits enorme Ausmaße angenommen haben. Auch immer stärker wachsender Besucherzahlen können sich Seiten wie Yelp erfreuen, die erst kürzlich Avancen des Internetriesen Google zurückgewiesen haben. Hier können die angemeldeten User Reviews zu Restaurants, Parks, Ladengeschäften oder auch Kfz-Werkstätten abgeben. Diese Bewertungen ziehen die anderen User dann wiederum zu Rate, wenn es um die Suche einer guten Kfz-Werkstatt geht. Ist das unter Umständen geschäftsschädigend? Durchaus, aber eben auch nur, wenn man als Unternehmen seinen Kunden Anlass zu schlechten Bewertungen gibt. Es gibt noch sehr viel mehr Beispiele für spannende Social Media Seiten, aber belassen wir es mal bei den genannten Beispielen. Heutzutage treiben sich viele von uns aktiv in Foren, auf Blogs oder in Social Networks herum und jeder hat wohl seine eigenen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Medien gemacht. Manche davon positiv, einige davon sicher auch negativ.

Berndt Twitter-Nachrichten lassen sich auch problemlos in bekannte Social Networks integrieren oder mit „Share via Twitter“ werden gelesene Artikel weitergetwittert. Alles dicht in sich verknüpft. Kunden bewerten Unternehmen – es werden neue Herausforderungen folgen. Und Mehrwert für den Kunden.

Gibt es geltende Regeln und Grundsätze?

Schaub Im Grunde gilt es sich selbst erst einmal mit einem der wichtigsten Grundsätze des Netzes abzufinden. The Web does not forget. Einmal veröffentlicht ist es fast unmöglich Informationen komplett aus dem Netz zu entfernen oder deren Verbreitung auch nur einzudämmen. Das ist ein Prinzip das oftmals gerade auch den Usern Sozialer Netzwerke fremd zu sein scheint, was dazu führt, dass es wiederum eine Vielzahl von (ebenfalls Social Media) Seiten gibt, die sich mit den öffentlichen Fehltritten von Usern anderer Social Media Seiten beschäftigen. Kurzum: Man sollte nichts im Netz veröffentlichen, wovon man weder heute noch morgen möchte, dass es die ganze Welt erfährt. Das klingt zwar logisch, aber setzt eben das Verständnis des zuvor genannten Prinzips voraus, denn auch wenn ich es mit 18 noch in Ordnung finde, wenn ich Fotos von ausgelassenen, feuchtfröhlichen Parties veröffentliche, möchte ich ja nicht, dass diese mir in 20 Jahren bei einer Kandidatur um ein öffentliches Amt zum Hindernis werden. Daher ist es heutzutage praktisch Pflicht, hin und wieder zu kontrollieren, was jemand über die eigene Person im Internet herausfinden könnte. Eine einfache Google-Suche gibt da oftmals schon einen guten Ansatzpunkt für eventuell nötige Anpassungen.

Berndt Spannend zu sehen, dass Social Media auch ein rechtlich anerkanntes Alibi sichern kann. Hier ein Artikel der TIME aus den USA.

Wäre es dann denn nicht besser die Finger von Social Media zu lassen?

Schaub Das ist sicherlich eine Möglichkeit, verwehrt einem im Umkehrschluss aber die vielen Vorzüge, die der Gebrauch von Social Media mit sich bringt. Als empfehlenswerter erachte ich da den Ansatz, Social Media bedacht und gezielt einzusetzen. Grundsätzlich besitzt jeder Mensch das unumstrittene Monopol auf Informationen über seine eigene Person. Diese Tatsache kann jeder einsetzen, um im Netz genau die Informationen zu veröffentlichen, die er gefunden wissen möchte, sollte ihn denn mal jemand googlen. Es ist für deine berufliche Zukunft wichtig, dass deine potenziellen Arbeitgeber erfahren, dass du dich für ein bestimmtes Thema interessierst? Dann melde dich in einschlägigen Foren oder beispielsweise auch Gruppen auf Xing an und werde Teil der Konversation. Spreche auf deinem eigenen Blog oder auf Facebook über das Thema und sorge dafür, dass deine Aktivitäten gefunden werden können. Niemand wird die gewünschten Informationen über dich erfahren, wenn du dich mit Privatsphäre zumauerst.

Berndt Ich empfehle einen eigenen Internetblog. Mit diesem hat man mehr Freiraum, um seine Gedanken zu äußern. Foren sind oft schlecht verwaltet, nicht zielführend und unübersichtlich. Locke lieber Gleichgesinnte in deinen Machtbereich und moderiere den Diskurs. Du bist Treiber eines Themas, aber auch Anlaufstelle.

Schaub Ich persönlich kann Blogs nicht generell empfehlen. Ein Blog ist viel Arbeit. Das ist kaum etwas, was man alleine wirklich gut einfach nur so nebenbei machen kann. Die meisten User sind weder technisch noch zeitlich in der Lage so etwas zu stemmen. Und was ist schlimmer als kein Blog? Ein schlecht gepflegter Blog, der offenbar nicht gelesen wird und der niemanden interessiert.

Worauf muss ich achten?

Schaub Was niemals vergessen werden sollte ist, dass alles echt sein muss. Überflutet von Werbung in den Medien und unterschwelligen Werbebotschaften, haben die Menschen zum Teil einen sehr feinen Sinn dafür entwickelt, zu erkennen, ob Informationen authentisch sind oder nicht. Daher darf das von sich selbst dargestellte Bild nicht (zu sehr) von dem Original abweichen. Im Zusammenhang mit einem Job-Wechsel oder einer Bewerbung kann eine gute Social Media Präsenz heutzutage sehr viel ausmachen. Während ein tabellarischer Lebenslauf und ein gutes Anschreiben oftmals in der Lage sind, ein gutes berufliches Bild einer Person abzugeben, so ist es doch heutzutage eher der Twitter-, Facebook- oder der MeinVZ-Account, der ein leicht zu beurteilendes Bild der Persönlichkeit eines Bewerbers darstellt. Um etwas konkreter zu werden machen wir doch mal ein Beispielszenario:

Sie sind in der Human Ressources Abteilung eines großen Softwarekonzerns tätig und sollen eine Vertriebsstelle neu besetzen. Zur Auswahl stehen zwei Bewerber, die von ihren beruflichen Qualifikationen gleichauf sind. Sie entscheiden, sich die beiden zu googlen, um ein besseres Bild von den Bewerbern zu erhalten. Zu dem ersten Bewerber finden Sie nicht sehr viel, aber, was sie finden, ist ein drei Jahre altes Youtube-Video von einer Sauftour mit Freunden über’s Oktoberfest, sowie mehrere Beiträge unter dem Pseudonym “Deathbringer” in Foren, die sich thematisch mit dem MMORPG World of Warcraft beschäftigen. Darüber hinaus finden Sie auf seinem MeinVZ Profil mehrere abfällige Bemerkungen über seine Ex-Freundin und mehrere Kommentare seiner Freunde, die auf ausgelassene Parties hindeuten. Das erste Sucherergebnis, das Google Ihnen zum zweiten Bewerber liefert, ist sein Flickr Account. Dort veröffentlicht der zweite Bewerber kunstvolle, selbst gemachte Fotos von Blumen und Landschaften. Auf seinem Facebook Profil erkennen Sie eine aktive Kommunikation zwischen ihm und seinen dort angemeldeten Freunden über diverse Themen, wie unter anderem Fotografie, Politik und das Wetter. Die weiteren Suchergebnisse führen Sie schließlich zu einem Blog über moderne Küche, wo er sich aktiv mit anderen Lesern austauscht und auch schon den ein oder anderen Gastbeitrag geschrieben hat. Welchen der beiden würden Sie einstellen?

Nimm dir doch nach dem Lesen dieses Blogposts die Zeit und google deinen Namen, schaue dir die Sucherergebnisse genau an. Nimm dir auch dein MeinVZ, Facebook oder sonstige Profile auf diversen Seiten vor und lese sie, wie es ein Dritter tun würde. Überlege dir, ob du mit dem Eindruck, den jemand daraus von dir erhalten könnte, zufrieden bist. Bist du unzufrieden, dann werde aktiv! Lösche, soweit es noch geht Informationen, die dich stören und überarbeite deine Präsenz im Netz.

Berndt Vielen Dank, Tobias, für den lebhaften letzen Absatz – die Beispiele sind gnadenlos aus dem Leben gegriffen und zeigen (wahrscheinlich) die Mehrheit der Jugendlichen und aufstrebenden Young Professionals.

Das war der erste Teil der Reihe „Social Media für die eigene Person“. Dieser versteht sich als Einführung, im nächsten Teil zeigen wir Do’s und Dont’s.



2 Kommentare zu "Social Media und die eigene Web-Identität"

  1. Tobias Schaub schrieb:

    http://www.stern.de/digital/online/soziale-netzwerke-in-profilen-steckt-viel-wahrheit-1523075.html

    Interessanter Artikel, der die Relevanz von Online-Profilen für die Personalauswahl noch deutlicher werden lässt.

  2. Marco Berndt schrieb:

    Ein sehr interessanter Artikel – damit liegt ein wissenschaftlich fundierter Beweis vor. Die eigene Identität ist weitaus mehr ein Abbild des eigenen Charakters als “früher” angenommen. Authentizität hat augenscheinlich doch mehr Beachtung resp. Wert, als ich dachte. Und von der eigenen schließt man auf die andere … Man beobachte sich selbst – wie oft man den Inhalt anderer, fremder Profile ohne Misstrauen einfach hinnimmt.
    Wie auf einem Markt präsentiert man sich und macht sich beständig – man wird zum Angebot und hofft auf Nachfrage …


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